Tag 73-108 Erzurum – Täbris – Zandschan – Teheran

Über einen Monat keinen Blogartikel? Entschuldigung dafür 😀 Was ist in der Zeit passiert?

Erstmal ging es zusammen mit Randa und Ting (die beiden Radfahrerinnen aus Taiwan die ich in Samsun getroffen habe) von Erzurum nach Doğubayazıt. Doğubayazıt ist die türkische Grenzstadt zum Iran. Dieser Abschnitt wird von vielen Radfahren gemieden, da sich im Internet einige schlechte Erfahrungsberichte zu diesem Gebiet befinden. Erfahrungen wie „von Kindern mit Steinen beworfen“ oder „Geldraub“. Andere Radfahrer berichten aber auch, dass es überhaupt kein Problem sei. Wir wollten es selbst herausfinden. So fuhren wir ins Ungewisse.

Alles is allem ist dieser Abschnitt für uns absolut befahrbar gewesen. Nur das Einkaufen in Städten war zum Teil nicht so schön. Da hier weniger Touristen unterwegs sind hat man schnell einen ganzen haufen Kinder um sich. Die meisten von denen kannten nur die Worte „Tourist, Tourist – Money Money“ oder „What time is it?“. Die Frage nach der Uhrzeit ist aber nur ein Trick, dass sie dein Smartphone sehen können. Also aufgepasst. Wenn man diese nervigen Kinder gekonnt ignoriert, kann man ganz normal seine Erledigungen machen. Einzig und allein in Horasan haben Kinder beim verlassen der Stadt Steine nach uns geworfen. Aber wir waren auch so schlau, die Hauptstraße zu verlassen um den Weg abzukürzen. Ich glaube, auf der Hauptstraße, mit älteren Menschen in der Nähe, hätten sie sich nicht getraut. Aber die Steine waren auch nicht so groß und bis auf einen kleinen Treffer ist nichts passiert. Eigentlich sind nur die Kinder zwischen 8 und 14 das Problem. Die Erwachsen Menschen sind alle sehr nett und auch hilfsbereit. Man hat auch gemerkt, dass sich die Älteren für das Verhalten der Kinder geschämt haben. Zum Teil haben diese sogar die Kinder weggeschickt.

Landschaftsmäßig ist der Abschnitt sehr schön. Die Natur ist sehr weitläufig und im Gegensatz zum Iran noch saftig grün. Hier habe ich auch meinen bisher höchsten Punkt mit dem Fahrrad erreicht: 2210 Meter. Die Dörfer in dieser Gegend sind sehr klein und bestehen nur aus Lehm oder Stein mit Blechdach. Größere Städte mit Supermarkt gab es nicht mehr so häufig.

Die Grenzstadt Doğubayazıt liegt am Fuße des höchsten Berges der Türkei. Der Ararat ist ein ruhender Vulkan mit 5137 Metern. Sehr schön anzusehen. Hier mussten wir dann auch unser komplettes Bargeld für den Iran abheben. Im Iran kann man mit VISA oder Mastercard kein Geld abheben und auch sonst gibt es keine Möglichkeit Geld abzuheben. So hoben wir das Geld in türkischen Lira ab und wechselten es in Euro und Dollar.

Nach einer Nacht Camping am Fuße des Ararat rollten wir dann also zur iranischen Grenze. Dort wurden wir vom iranischen Grenzbeamten erstmal in ein Büro geschickt. Dort wurden nochmal unsere Daten erfasst und auch unsere Reiseroute aufgenommen. Solange man nicht in den Süden des Irans Radeln will ist alles kein Problem und so konnten wir eine halbe Stunde später den Iran betreten.

Hinter der Grenze geht es erstmal den Berg runter und man hat das Gefühl, es ist 10C° heißer. Auch die Landschaft wird ziemlich schnell ziemlich trocken. Einzig und allein in Flusstälern ist es grün, aber drumherum staubtrocken und stachelig 😀 (siehe Bilder)

Erstmal mussten wir eine Geldwechselstube finden. Für 50€ bekamen wir fast 2 Millionen Rial. Man muss sich erstmal an diese hohen Beträge gewöhnen. Auch die Schriftzeichen für Zahlen sind hier persisch/iranisch. Nach ein paar Tagen kann man die Zahlen auch in persisch lesen. Aber am Anfang sehr verwirrend.

Auch das Auffinden von günstigen Hotels ist zum Teil ohne einheimische Hilfe nicht möglich. Die günstigen Hotels haben nur Schilder in Iranischer Schrift und sind von außen nicht als Hotel zu erkennen. Auch Supermarkketten gibt es hier nicht. Oder zumindes habe ich noch keine gesehen. So muss man seine Lebensmittel in kleinen Shops und Gemüse und Früchte auf dem Markt kaufen. Auch das Stadtbild ist komplett anders. Viele kleine Läden und Werkstätten.
Nach ein paar Tagen gewöhnt man sich aber an die vielen neuen Eindrücke.

So fuhren wir also den direkten Weg nach Teheran. Man stellt ziemlich schnell fest, dass die Iraner sehr gastfreundlich sind. Man wird hier andauernd angehupt (im positiven Sinne), Autos halten an und schenken einem Lebensmittel, meist Früchte wie Kirschen, Pfirsiche, Melonen und vieles mehr. Viele wollen Fotos machen oder man wird zum Essen oder Tee eingeladen. Man kann gar nicht alle Einladungen wahrnehmen, da man sonst nicht vorran kommt. In Täbris endete dann auch der Ramadan und wir konnten endlich wieder überall essen und trinken.

Die Highligts auf dem Weg nach Teheran, neben vielen kleineren Gschenken, waren:

  • Fahren von Tekmeh Dash über Mianeh nach Rajeyin. Nach Mianeh fährt man ein Flusstal runter und hinter Mianeh wieder ein anderes Flusstal hoch. Sehr schöne Landschaft und nicht ganz so viel Verkehr wie sonst. Der Fluss ist zwar im Sommer nicht wirklich vorhanden aber von der Breite her muss es hier manchmal um einiges mehr Wasser geben.
  • Einladung für Abendessen, Frühstück und Mittagessen in traditioneller iranischer Großfamilie. In deren Wohnzimmer gibt es keine Möbel, nur Teppich. Zusammen gesessen wird auf dem Boden und auch die Mahlzeiten werden auf dem Boden sitzend gegessen. Zum Abendessen gab es Hähnchenteile mit Reis, zum Frühstück Brot, Käse und Honig.  Zum Mittagessen dann Fisch mit Reis, dazu einen ganzen Korb Grünzeug für jeden. Keine Ahnung was das Grünzeug war aber es war gut, verschiedene Kräuter und Blätter.

Dann erreichten wir gemeinsam am 15.7.16 Teheran. In der Stadt angekommen trafen wir Matin, der uns für eine Nacht bei sich einlud. Auch den nächsten Tag verbrachten wir mit Ihm und besuchten einen Park, Niavaran Palast und Tabiat Bridge (größte Fußgängerbrücke Irans).

Danach bezogen wir in einem Hotel Quartier. Randa bereitete Ihr Fahrrad zum Heimflug vor. Sie hat Ting in ihren Semesterferien auf der Strecke von Istanbul nach Teheran begleitet. Sie flog dann am 17.7 wieder heim. Ting will mit dem Fahrrad die Ostküste Chinas erreichen und dann wieder westlich über Südostasien nach Nepal fahren. Sie ist zum jetztigen Zeitpunkt schon über ein Jahr unterwegs. Sie startete in Japan, flog dann nach Kanada, daraufhin in die USA. Von dort Flog sie dann im Winter nach Norwegen. Von Norwegen aus ist sie dann bis in die Türkei gefahren wo wir uns getroffen haben. Da wir bis China die exakt gleiche Route geplant haben und uns gut verstehen, werden wir auch erstmal weiterhin gemeinsam unterwegs sein.

In Teheran wollten Ting und ich dann unsere Visa für die kommenden Länder beantragen. Uzbekistan, Turkmenistan, Tajikistan – und ich brauche noch ein China-Visum. Einfacher gesagt als getan. Als erstes brauchen wir das Usbekistan-Visum. Für dieses haben wir über eine Reiseagentur eine Letter of Invation beantragt. Eigentlich sollte diese LOI am 25.7 da sein. Was soll man sagen. Wir warten immernoch auf diese LOI. Ich kann zwar auch ein Visum ohne LOI bekommen, dass dauert dann aber bis zu zwei Wochen. Mit der LOI bekomme ich das Visum direkt ausgestellt. Also kann ich auch noch auf die LOI warten. Ich hoffe die kommt morgen. Das Usbekistan-Visum ist vorraussetzung um Turkmenistan-Visum zu beantragen.
Auch das Chin- Visum macht Probleme. Seit 14.7 wollen die nur noch Visa mit einem Monat bis zur Einreise austellen. Davor waren es drei. In einem Monat kann ich aber nicht von hier bis zur chinesischen grenze radeln. Manche bekommen aber trotz der neuen Regelung 3 Monate.
Andere Radfahrer haben gesagt bekommen, dass 3 Monate kein Problem sind und beim Abholen war dann nur ein Monat eingetragen. Das ist alles ein bisschen willkürlich und hängt auch von der Laune des Sachbearbeiters ab. Als ich letzte Woche da war, wurde der Sachbearbeiter vorher von anderen Touristen (grüße an Steffi und Andi :D) so verärgert dass er meine Dokumente gar nicht mehr anschauen wollte.

Alles in allem habe ich bis jetzt nur das Tajikistan E-Visum. Wenn die LOI eintrifft habe ich auch mein Uzbekista- Visum und kann Turkmenistan beantragen. Morgen am 31.7 probiere ich nochmal mein China-Visum zu bekommen. Wenn dass nicht klappt, muss ich mir von Kirgistan aus einen alternativ Plan überlegen. Ich wüsste kein kommendes Land bis China in dem ich ein Visum für China bekommen kann. Diese Visasache ist echt zum Verzweifeln. Wir wollen endlich weiter. Sind schon mehr als zwei Wochen hier. Wir hoffen das beste.

In der Zeit haben wir ein bisschen was von Teheran besichtigt und auch eine Wanderung zu einem Wasserfall mit Matin unternommen. Dieser Tag war echt sehr schön. Aber sonst kann man bei 40C° nicht viel mache,n außer im klimatisierten Hotelzimmer zu verweilen. Gut dass es im Iran kein Copyright gibt und Matin so ziemlich jeden Film auf der Festplatte hat 😀

Bilder kommen, wenn das Internet schnell genug ist, auch bald.

 

 

 

 

 

6 Kommentare zu “Tag 73-108 Erzurum – Täbris – Zandschan – Teheran

  1. Johnny

    Hey Michael,

    freut mich, dass du schon so weit gekommen bist und so wie ich hauptsächlich gute Erfahrungen gemacht und tolle Menschen getroffen hast.
    Was das Chinavisum angeht kann ich dir auf jeden Fall sagen, dass du es in Bishkek nicht bekommen wirst, allerdings könntest du es in Almaty (Kasachstan) versuchen.
    Wenn du in Bishkek bist kann ich dir das Apples Hostel empfehlen. Falls du dort hin gehst sag Aygul bitte einen gruß von Johnny 🙂
    Mach so weiter, wir sehen uns sicherlich bald. 🙂

    1. Michael Granz Autor des Beitrags

      Dankeschön. Von der Gastfreundschaft ist Iran echt super. Ja das mit dem China Visa ist echt ein Problem. Es ist nichtmehr möglich ein Visa mit 3 Monaten bis zur einreise zu bekommen. Ich habe in Tehran 11 andere Radfahrer getroffen und keiner hat das Visum mit 3 Monaten einreisezeit bekommen. Ein Monat ist allerdings möglich ohne jegliche Hotel oder Flugbuchungen. Werde jetzt erstmal nach Kirgistan fahren und dann weitersehen. Vielleich gehts direkt nach Südostasien. Dann können wir uns gerne treffen. Wenn ich nach Bishkek komme werde ich deiner Empfehlung folgen. Danke 😀 Grüße Michael

  2. Peter Rastätter

    Hallo Michael
    erst einmal ein paar schöne Grüße aus der Heimat . Unser Kollege Christopher macht jetzt auch ein Jahr Auszeit und geht nach Australien .Er macht Travel and Work dort . Ich hoffe bei dir ist alles klar . Pass auf dich auf und ich finde es sehr toll dass du so viele gute Erfahrungen macht . bis Bald
    Peter ( Rambo )

    1. Michael Granz Autor des Beitrags

      Vielen Dank für die Grüße. Australien steht auch noch auf meiner Wundschliste. Aber wahrscheinlich nicht auf dieser Reise. Wird bestimmt eine tolle Zeit. Grüße an ihn und die restlichen Kollegen.

      Grüße
      Michael

        1. Michael Granz Autor des Beitrags

          Ne leider wird das nichts 😀 hab Australien auf dieser Reise nicht mit eingeplant. Zu dieser zeit bin ich wahrscheinlich noch in China.

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