Tag 195-261 Kaxgar – Chengdu – Litang – Lijiang – Kunming

Hallo zusammen. Lange kam kein Update von mir. Hatte mir vorgenommen meinen Blog in Kunming zu Aktualisieren und hatte nicht gedacht, dass wir so lange bis dorthin brauchen.
Ich sollte einen E-Mail Newsletter einrichten. 😀

Von Kaxgar aus wollten mir erstmal mit dem Bus oder Zug weiter in den SĂŒdosten Chinas fahren. Das haben wir dann auch getan. Wir sind mit dem Bus ganze 72 Stunden nach Chengdu gefahren. 3 Tage Busfahren ist eher weniger angenehm. Es war zwar ein Liegebus, aber die Betten waren wohl fĂŒr Asiaten bestimmt. Ich war 20cm zu lang und habe rechts und links mit meinen Schultern den Rand des Bettes berĂŒhrt. Zudem hatte der Bus der LĂ€nge nach 3 Reihen mit Stockbetten. Ich hatte natĂŒrlich eines in der mitte und oben. Dazu kommt noch das wir den ersten Tag durch die Provinz Xin-Jiang gefahren sind. Diese gilt als Problemprovinz und die PolizeiprĂ€senz ist enorm hoch. So gab es alle 100-200km einen Checkpoint an dem alle aussteigen mussten und PĂ€sse kontrolliert wurden. Das auch mitten in der Nacht. In Xin-Jiang ist auch jedes Kaufhaus, Bahnhof, Busstation usw. mit Sicherheitspersonal wie am Flughafen ausgestattet. RucksĂ€cke mĂŒssen gescannt werden und der Körper wird abgetastet. In Griffweite haben sie dann ihre Helme, Schilde und KnĂŒppel. Ich hatte mich durch die Polizei mehr bedroht gefĂŒhlt als von den Menschen dort. 😀

Mit dem Bus erreichten wir die Mega-Stadt Chengdu. Hier blieben wir auch nochmal gut eine Woche. Unter anderem auch, da ich seit Kirgistan immer wieder Magenprobleme hatte, und dann in Chengdu Medikamente genommen habe. Es gab aber auch einiges zu sehen. Tempel, Altstadt, die Stadt selbst und Pandas. Die Stadt ist bekannt fĂŒr den weiß-schwarzen Panda und die Provinz Sichuan ist eine der wenigen, mit wild lebenden Pandas.

Hier schmiedeten wir auch den Plan, von Chengdu mit dem Fahrrad nach Kunming zu fahren.
Nicht auf direktem Wege, sonderm mehr westlich. Dort ist das tibetische Hochland, das in der Provinz Sichuan liegt. Da man als Touris, nicht in die Provinz Tibet reisen kann, ist das die beste Alternative. Dort kann man 100% tibetische Kultur erleben, ohne in Tibet zu sein. So brachen wir erst am 9.11.16 wieder mit dem Fahrrad auf.

Die ersten Tage waren etwas neblig und wolkenverhangen. Danach wurde es aber durchweg gut. Von Chengdu ging es einen Tag flach bis zum beginn der Berge und dann hieß es klettern. 😀 3 Tage nur bergauf und danach im wechsel bergauf und bergab. Da mich die Medikamente etwas geschwĂ€cht haben und da wir seit Kirgistan nicht mehr wirklich Rad gefahren sind, waren die ersten Tage sehr hart. So kamen wir trotz der sehr guten Straße nur langsam vorran. Aber wir hatten ja auch keine Eile.

Anfangs fuhren wir noch durch bewaldete Berge. In dieser Gegend gab es am 12.5.2008 ein sehr Starkes Erdbeben. Es gibt eingige DenkmĂ€ler und auch Museen. Wir fuhren nur knapp am Zentrum des Erdbebens vorbei. Dort haben wir auch einen wilden roten Panda gesehen. Je weiter man in die Berge vordrang, wurden die BĂ€ume weniger und die tibetische Kultur nahm zu. Dies war eher ein schleichender Prozess. Was macht tibetische Kultur aus? Ganz klar der Buddhismus. Buddhistische Tempel, Mönche in den Straßen, bunte HĂ€user mit Religiösen Symbolen (unter anderem auch das Hakenkreuz., siehe Fotos), bunte Gebetsfahnen, Gebetsglöckchen, GebetswasserrĂ€der, RĂ€ucherstĂ€bchen, in Stein gemeißelte Gottheiten, SprĂŒche in tibetischer Schrift an den Bergen, GebetrĂ€der in den HĂ€nden der GlĂ€ubigen usw.
Generell kann man sagen tibetische Buddhisten haben gerne rotierende, im Wind flatternde oder klingende GegenstĂ€nde. 😀

Auch ist die Gegend von der Yak Haltung stark geprĂ€gt. Yaks sieht man hier wirklich ĂŒberall. Schmecken tuen sie auch ausgezeichnet. 😀 Tiere werden hier eigentlich immer ohne ZĂ€une gehalten. So hat man seh oft Yaks, KĂŒhe oder Schweine auf der Straße. Ab Xiangbala wird der tibetische Einfluss wieder weniger.

Um den Rahmen dieses Blogartikels nicht zu sprengen hier einige weitere Infos in Kurzform:

  • Die Straße war im vergleich zum Pamir Highway sehr gut.
  • Meist wenig Verkehr. Die Tage vor Kunming wurde es dann aber mehr und mehr, so dass wir mit Staubmaske fahren mussten.
  • Anfangs gab es einige Tunnel bis hin zu 8km.
  • 30km vor Kunming habe ich meine 10.000km Marke gecknackt.
  • Es waren um einiges mehr Kilometer und Höhenmeter als im Pamir Highway. Von Chengdu nach Kunming waren es 1.740km, 24.000 Höhenmeter – in rund 150 Stunden reiner Fahrtzeit . Allein dieses StĂŒck beinhaltet ein Drittel meiner gesamten Höhenmeter.
  • Wir fuhren ĂŒber haufenweise PĂ€sse. Die meinsten mit 3.000-3.600 Höhenmeter.
  • Hier stellte ich auch meinen neuen Höhenrekord auf. Ein Pass mit 4,708 Metern.
  • Auch stellten wir unseren Rekord im höchsten Camping auf. Einmal schlugen wir unsere Zelte auf 4.600 Meter auf. Am nĂ€chsten morgen war alles vereißt.
  • Trotz der fĂŒr chinesische VerhĂ€ltnisse sehr dĂŒnnen Besiedelung war es uns möglich, fast jeden Tag in einem Hotel zu Übernachten. Diese sind hier auch sehr gĂŒnstig. Das Teuerste war gerade mal 10€. Das war aber nur ein mal. Im Schnitt zahlt man hier 3-5€ pro Person.
  • Trotz der Höhe war es nicht zu kalt. Normalerweise ist es im November schon kĂ€lter aber wir hatten GlĂŒck. In der kĂ€ltesten Gegend um Litang hatten wir Tags um die 5°C und Nachts -10°C. Ab Derong wurde es wieder wĂ€rmer sodass ich an ein paar Tagen sogar wieder im T-Shirt fahren konnte, 15°C.
  • Einmal haben wir mit dem Bus 2 PĂ€sse abgekĂŒrzt, da wir das stĂ€ndige auf und ab schon satt hatten. 😀 Xiangbala-Derong.
  • Ting stellte ihren Rekord in platten Reifen auf. 😀 10 Platte Reifen in 2 Tagen Radfahren. Es waren aber auch technische Probleme im Spiel. In Lijiang wechselten wir ihren Mantel und warum auch immer rissen uns am nĂ€chsten Tag 5 mal das Ventil ein oder ab. Da man dort nicht flicken kann und wir keine SchlĂ€uche mehr hatten mussten wir auch hier 30km bis Dali mit dem Bus fahren. Diesen stoppten wir mitten in der Pampa per Anhalter. 😀 In Dali konnten wir neue SchlĂ€uche kaufen. Ich tauschte Vorder- und Hintermantel und hoffte auf Besserung. Als wir dann weiterfuhren hatten wir nochmal 5 Platte, aber nicht am Ventil. Danach war erstmal fĂŒr ein paar Tage Ruhe. 😀
  • Was mir an den chinesischen Menschen mißfĂ€llt, ist die stĂ€ndige Rumspuckerei. Wenn sie irgendwo diskret hinspucken wĂŒrden, hĂ€tte ich damit kein Problem. Aber hier wird direkt vor dir auf die Straße gespuckt. Davor wird mit einem möglichst widerlichen GerĂ€usch der ganze Schleim zu Tage gefördert. 😀 Das schlimmste ist dann aber wenn im Restaurant auf den Boden gespuckt wird. Das kommt zum GlĂŒck nicht so oft vor hab ich aber auch erlebt. In meinen Augen ist das sowas von respektlos dem Restaurantbesitzer gegenĂŒber. NatĂŒrlich sind nicht alle Chinesen so, aber die, die sich normal verhalten, fallen ja nicht auf. Nur diejenigen, die sich nicht normal verhalten. Davon gibt es leider einige.
  • Die Luft ist in einigen Gegenden so schmutzig, da sind Lungenprobleme vorprogrammiert. Dass die meisten dann noch Kettenraucher sind, verbessert die Situation nicht gerade.
  • Wehnachsstimmung gibt es hier eigentlich fast nicht. Im tibetischen Teil sowieso nicht und sonst auch nur wenig. KaufhĂ€user haben Weihnachsmusik und ein bisschen Deko. Aber wenn das fest von Chinesen gefeiert wird, dann meist nur wegen dem Essen und den ZipfelmĂŒtzen. 😀 In einer Stadt war eine Art „Weihnachstmarkt“ Einige StĂ€nde zum Essen und Ramsch kaufen und haufenweise StĂ€nde die Schnee aus der Dose verkauft haben. 😀 Quasi Schneballschlacht ohne Schnee. Alle haben sich mit dem Schaum gegenseitig angesprĂŒht. Naja, was soll man machen, wenn es zu warm fĂŒr echten Schnee ist.

Ich kann mich auch glĂŒcklich schĂ€tzen, mit Ting unterwegs zu sein. Hier spricht wirklich fast keiner englisch. Speziell im tibetischen Teil wĂ€re alles um einiges schwieriger.

Jetzt sind wir also in Kunming. Von hier werden wir mit dem Zug an die KĂŒste fahren und dort mit der FĂ€hre nach Taiwan ĂŒbersetzten. Dort werden wir wahrschreinlich bis Ende Januar bleiben und einmal um die Insel fahren. Danach wieder zurĂŒck nach China. Da wir dann erst Anfang Februar wieder in China wĂ€ren und ich so nur noch 2 Monate Zeit hĂ€tte, habe ich mir ĂŒberlegt meine Reise evtl. zu verlĂ€ngern. Dann könnte ich zwar nicht mehr beim Daimler weiterarbeiten, aber da ich mit  großer Wahrscheinlichkeit sowieso am Band landen wĂŒrde, kann ich mir gleich was neues suchen 😀 oder noch Studieren, wer weiß.

Wenn ich meine Reise verlĂ€ngere, wĂŒrden wir von China aus einen „Urlaub“ in Deutschland machen, um meine Versicherung zu erneuern und Arbeitsamttechnisches zu erledigen. NatĂŒrlich will ich auch Familie und Freunde wieder sehen. Speziell meine Nichte Elea die ich noch gar nicht „live“ gesehen habe. 😀 Bei der Gelegenheit könnten wir auch ein bisschen durch Deutschland Reisen. Danach wĂŒrden wir mit dem Flieger nach SĂŒdostasien Fliegen. Dort dann noch 3-6 Monate Fahrradreisen.

Bilder folgen in kĂŒrze. Internet war nicht gut genug, diese hochzuladen und zu beschriften.

 

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